Barack Obama

Kürzlich hatte ich Gelegenheit, einige Amerikaner, die mit dem German Marshall Fund auf Deutschlandreise waren, zu fragen, wie sie Obamas Präsidentschaft beurteilen.

Tavio Hobson: Obama hat sein Amt unter außergewöhnlichen Umständen angetreten. Die wirtschaftliche Situation war so schlecht wie schon lange nicht mehr. Außenpolitisch ging es bergab: der Nahe Osten, unsere Kriege im Irak und in Afghanistan. Eine Reihe von Ministerien, Homeland Defense eingeschlossen, mussten restrukturiert werden. Er traf auf einige der größten Katastrophen in der Geschichte unseres Landes, eingeschlossen den Hurrikan Katrina.

Er versprach eine umfassende Gesundheitsreform. Er sagte: Ich werde den Krieg im Irak beenden und die Kräfte auf die Bekämpfung des Terrorismus zu konzentrieren. Ich werde unsere Mittel mehr für Innenpolitisches einsetzen, werde die Wirtschaft ankurbeln, die Banken- und Finanzindustrie besser regulieren, um sicherzugehen, dass wir keine weitere Rezession haben. All diese Dinge sind ihm gelungen, nicht zu vergessen, dass er Osama Bin Laden fing.

Dabei hatte er nur in den ersten zwei Jahren einen demokratischen Kongress, danach wurde der Senat von den Republikanern kontrolliert. Das ist phänomenal!

Damon Vaughan: Noch nie hat sich ein Präsident mit so viel Widerstand konfrontiert gesehen wie Obama. Und trotzdem war er einer der produktivsten Präsidenten, die wir jemals hatten. Trotzdem war er in der Lage zu zeigen wie offen und vielfältig unser Land ist, z.B. durch die Unterstützung von Eheschließungen von Homosexuellen oder indem er die erste Latina zur Obersten Richterin gemacht hat.

Jason: Er hat die Vielfalt in diesem Land gestärkt. Die erste Latina als Oberste Richterin, die erste Afro-Amerikanerin als oberste Rechtsberaterin der Regierung. Er hat die politische Landschaft verändert.

Außenpolitisch hat er klar gemacht, dass die USA nicht den Kopf riskieren werden, wenn es keine Kooperation gibt. Und das hat er durchgezogen bezüglich Syrien und Afrika. Wenn es keine Koalition gibt, kümmern wir uns um unsere eigenen Sachen.

Tavio: Genau, er hat gezeigt, dass er wirklich mit anderen Staaten zusammenarbeiten will und nicht, dass die USA vorne stehen und alle anderen haben zu folgen.

Für die afro-amerikanische Gemeinschaft hat er eine Menge verändert. Er hat keinen Zauberstab und Veränderungen brauchen länger als eine Präsidentschaft. Aber er hat z.B. dafür gesorgt, dass nicht gewalttätige Vergehen, darunter Drogenkriminalität, nicht mehr so hart verfolgt werden. Bill Clinton dagegen ist mit seiner Politik vor rund 20 Jahren dafür verantwortlich, dass heute jeder vierte schwarze Mann im Gefängnis landet.

Und Obama hat viele Farbige auf einflussreiche Positionen gesetzt. Das wird noch über Generationen als eine Art Welleneffekt spürbar sein.

Damon: Natürlich ist es nicht vorbei mit der Diskriminierung, nur weil wir einen schwarzen Präsidenten haben. Im Gegenteil, was er sich gefallen lassen musste, zeigt, wie allgegenwärtig Diskriminierung noch ist. Seine Rede zur Lage der Nation wurde von jemandem unterbrochen, der ihn einen Lügner genannt hat. So ein Maß an Respektlosigkeit hat es noch nie einem Präsidenten gegenüber gegeben.

Wenn er ähnliche Fehler begangen hätte wie Bill Clinton, wenn er ein Watergate gehabt oder einen Irakkrieg angezettelt hätte ... undenkbar. Seine Präsidentschaft blieb makellos. Und so musste es auch sein. Wir können uns Fehltritte nicht erlauben, weil wir anders aussehen. Jetzt können die Leute nicht mehr sagen: Afroamerikaner sind dazu einfach nicht in der Lage. Er hat Türen geöffnet und uns ein Beispiel gegeben, was eine afroamerikanische Führungsperson tun kann.

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