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Wotan Wilke Möhring, Jahrgang 1967, einst Waldorfschüler und Punkmusiker, Zeitsoldat bei den Fallschirmjägern, gelernter Elektriker, Türsteher, Clubbesitzer und Model, ist heute bekannt als "Tatort"-Kommissar Thorsten Falke und Hauptdarsteller in zahlreichen Kinofilmen. Als Staatsanwalt vegegnet man ihm in der Serienverfilmung von Patrick Süßkinds Roman "Das Parfum". Sein Film-Debüt gab er erst mit 31 Jahren in der "Bubi-Scholz-Story".

SPIEGEL ONLINE: Sie haben kürzlich gesagt, dass Sie die Brutalisierung der Gesellschaft befürchten. Tragen nicht viele Krimis und Thriller dazu bei, in denen Sie mitspielen? Zweieinhalb Leichen gab es 2017 durchschnittlich pro "Tatort".

Möhring: Das glaube ich nicht. Wer entspannt in einen Film geht, kommt nicht raus und hat Bock, sich zu kloppen. Aus einem Film geht man eher berührt, verwirrt, fröhlich oder gelangweilt raus. Klar, es kann ein Wagnis sein, einen Film anzuschauen: Man geht entspannt ins Kino und schaut sich einen tollen, aufwühlenden Film an und danach ist alles anders, weil der Film einen so mitgenommen hat und alles aus dem Gleichgewicht bringt. Aber wer selbst gewalttätig wird, kann das nicht auf ein einzelnes Filmerlebnis schieben. Das ist viel zu einfach.

SPIEGEL ONLINE: Sind Ihnen Gewalt, Brutalität und Tod im wirklichen Leben begegnet?
Möhring: In meinen wilden Jahren, da war ich um die achtzehn, hat mir mal einer von hinten ein Messer durch die Jacke gestochen, später hielt mir jemand eine Knarre an den Kopf, als ich auf dem Fahrrad saß. Ich habe auch schon echte Tote gesehen, war dabei, als jemand erschlagen wurde, und auch bei einer Massenschlägerei. Also: ja.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben viel mehr Gewalt erlebt als der Durchschnittsdeutsche!

Möhring: Aber ich weiß nicht, ob die Pistole echt war. Außerdem ist mir nichts Schlimmes passiert. Einmal allerdings wollten Skinheads unsere Punk-Party stürmen. Skins prügeln und Punks werden verprügelt, das fand ich schon immer daneben. Man muss sich wehren. Ich habe also gesagt: Los, gehen wir raus und vertreiben sie. Dann ist die Tür hinter mir zugefallen und ich war als einziger draußen. Ich bin dann im Krankenhaus mit einer Gehirnerschütterung und anderen Verletzungen aufgewacht. Ich konnte mich an nichts erinnern.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich in böse Figuren gut hineindenken?

Möhring: Ja, denn auch die schlimmsten Täter tun in ihrer Logik das Richtige. Es ist sehr interessant, diese völlig andere Perspektive zu ergründen. Daraus erklärt sich auch, glaube ich, die Faszination des Bösen. Der Böse hat mit letzter Konsequenz eine Grenze überschritten und nimmt sich Freiheiten heraus, die wir uns nie zutrauen würden.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Darstellung hartgesottener Kerle im Film eine Art Training für tatsächliche Gefahrensituationen?

Möhring: Nein. Die Wirklichkeit ist viel krasser. Also, wenn man wilde Tiere im Zoo sieht, ist das wie Kino. Aber wenn dir im Park tatsächlich ein Löwe begegnet, da klopft dein Herz bis zum Hals. Ein rutschender Motorroller neben uns auf der Straße, eine Frau, die mit dem Fahrrad hinfällt, das nimmt uns mehr mit als ein Mord im Film. Auf der Leinwand werden Dinge erträglich, die wir in der Realität kaum aushalten. Das liegt daran, dass das menschliche Auge sehr viel mehr wahrnimmt als jede Kamera, und dass wir draußen im Leben alle unsere Sinne nutzen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vater starb 2004 durch einen Verkehrsunfall in Ihren Armen. Ist das auch eine Art Gewalterfahrung?

Möhring: Wenn da dein Vater liegt und das Blut kommt, und du weißt, er kann dich schon nicht mehr sehen - das ist eine im wahrsten Sinne gewaltige Erfahrung. Ich habe lange gebraucht, um das als Sohn anzunehmen. Es bleibt natürlich in Erinnerung, wie aber auch die Geburt meiner Kinder im positiven eine solche archaische Erinnerung bleibt. Meine Kinder sind danach geboren. Der Gedanke, dass der eine geht und der andere kommt, hat mich getröstet.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kinder, zwei Mädchen und ein Junge, sind 5, 7 und 9 Jahre alt. Schauen Sie Filme an, in denen Sie mitspielen?

Möhring: Meine Kinder sind zu jung, vieles ist ihnen zu krass, nicht mal den alten Räuber-Hotzenplotz-Film wollen sie gucken. Sie haben noch nie einen Film mit mir gesehen. Sie kennen ihren Vater anders, mögen die Verwandlungen nicht, zum Beispiel, dass manchmal meine Haare oder der Bart verändert werden. Einmal haben sie mich bei Winnetou-Dreharbeiten in Kroatien besucht. Mich traf ein Pfeil und ich fiel vom Pferd. Mein Sohn spricht heute noch darüber. Eine Weile dachte er, Papa wird immer erschossen auf der Arbeit, das fand er doof.
SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie selbst ihren ersten Tatort geguckt?

Möhring: Meinen ersten Tatort habe ich heimlich bei meiner Tante gesehen. Es war ausgerechnet "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski. Ich war ungefähr zehn Jahre alt und hatte monatelang schwere Albträume.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Ihrer Meinung nach Gewaltszenen, die man auch Erwachsenen nicht zeigen sollte?

Möhring: In gut gemachten Filmen sieht man bestimmte Dinge nicht. Bösewichte gehen zum Beispiel mit einem Gefangenen in einen Raum und der Zuschauer weiß einfach, dass da jetzt einer verprügelt wird. Die Kamera muss nicht mitgehen. Das Schlimmste findet dann in unserer eigenen Vorstellung statt.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen in der Serie "Parfum" mit. Auch da gibt es Szenen, die dem Zuschauer sehr viel zumuten. Herausgeschnittene Körperteile wurden früher nicht so freimütig gezeigt. Ein Zeichen, dass wir gegen Gewalt abstumpfen?

Möhring: Das sehe ich nicht so. Unsere Verfilmung ist da nicht drastischer als das Buch, das aus den Achtzigern ist. Ein Film, der keinen Spielraum für die eigene Interpretation lässt, läuft Gefahr, dass wir als Zuschauer emotional nicht mehr mitkommen. Wenn ich "Das Parfum" von Patrick Süskind lese, produziere ich diese Bilder selbst, sie entstehen in meinem Kopf. Ich selbst bin dann Regisseur, Schauspieler, Kameramann. Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass sich die Buchstaben in meinem Kopf zu solchen Bildern verbinden. Das finde ich viel intensiver als Filmblut.

Mit ihren Selbstinszenierungen auf Instagram und YouTube legen sich Mädchen und junge Frauen immer noch weitgehend auf althergebrachte Rollenbilder fest. Zu diesem Schluss kommt Schauspielerin Maria Furtwängler und beruft sich dabei auf mehrere Studien, die sie gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth in Auftrag gegeben hat und nun in Berlin vorstellt.

Wie nutzen junge Frauen die Chance, sich im Web individuell auszudrücken? Und wie lassen sie sich dabei von Influencerinnen beeinflussen? Das haben Forscherinnen auf Instagram und YouTube untersucht - im Auftrag der von Maria und Elisabeth Furtwängler gegründeten Stiftung MaLisa. In einer dritten Studie wurde auch die Geschlechterdarstelllung in den 100 beliebtesten Musikvideos analysiert.

Bereits 2017 hatte die Stiftung mit einer umfassenden Studie darauf hingewiesen, dass Frauen in Film und Fernsehen unterrepräsentiert sind. Die neuen Studien kommen nun zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Bei den 100 beliebtesten Musikvideos, den 100 beliebtesten YouTube-Kanälen und den Top 100 Instagram-Profilen seien Frauen nur halb so häufig vertreten wie Männer, heißt es in einer Mitteilung von MaLisa.

Zudem orientiere sich das Auftreten an althergebrachten Stereotypen:
• Auf YouTube präsentieren Frauen sich der Studie zufolge überwiegend im privaten Raum und geben etwa Schminktipps, während Männer ein deutlich breiteres Themenfeld abdecken.
• In Musikvideos werden Frauen laut der Untersuchung mehrheitlich "sexy und passiv" inszeniert.
• Auf Instagram seien vor allem die Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen und sich mit Mode- oder Beauty-Themen beschäftigen.

Als TV-Kommissarin Charlotte Lindholm widersetzt sich Maria Furtwängler weiblichen Klischees. Im "Tatort" am kommenden Sonntag wird sie ihrer neuen Kollegin, gespielt von Florence Kasumba, mit kampflustigem Alphatier-Gebaren begegnen. Im Interview erzählt sie, warum ihr diese Auseinandersetzung Spaß macht, warum sie das uniforme Frauenbild im Web alarmierend findet und was sich am Nutzungsverhalten ändern muss.

SPIEGEL ONLINE: Welche Unterschiede haben die Forscherinnen bei der Selbstinszenierung von Mädchen und Jungen auf YouTube vorgefunden?

Maria Furtwängler: Junge Frauen präsentieren sich eher im privaten Raum und deklarieren ihre Tätigkeit als Hobby. Es wird genäht, gekocht, gebastelt, oft geht es um Beautytipps und Dating. Junge Männer zeigen sich häufiger im öffentlichen Raum und haben eine sehr viel größere Spannbreite an Ausdrucksmöglichkeiten: Entertainment, Gaming, Comedy oder auch mal Politik. Es scheint sehr wichtig zu sein, dass die Frauen das Gefühl vermitteln, sie machten alles gut gelaunt und ohne Anstrengung nebenbei.

SPIEGEL ONLINE: Also der Mann als Profi in der Welt unterwegs und die Frau hübsch lächelnd zuhause?

Furtwängler: In der Summe ja. Dabei sind die bekannten Influencerinnen oftmals starke Selfmade Women, die sich selbst managen, ihr Image eigenständig gestalten. Eine sehr erfolgreiche Influencerin hat mir erzählt, sie habe mal versucht aufzuzeigen, wie logistisch aufwändig und anstrengend diese Arbeit ist, habe daraufhin aber sofort einen auf den Deckel bekommen von ihren Followern.

SPIEGEL ONLINE: Und das ist bei Jungen anders?

Furtwängler: Jungs dürfen sich durchaus geschäftstüchtig zeigen. Natürlich wird auch hier das Sixpack wichtiger, aber sie haben viele Optionen, ihre Stärken zu zeigen. Von Mädchen wollen alle nur das perfekte Bild sehen.

SPIEGEL ONLINE: Und es soll bei ihnen bitteschön nicht nach Arbeit, sondern natürlich aussehen?

Furtwängler: Ja, keinesfalls und das ist lustig. Es geht angeblich um Authentizität, Natürlichkeit und Spontaneität. Aber die Herstellung eines perfekt unaufwändig wirkenden Bildes ist unglaublich aufwändig.

SPIEGEL ONLINE: Die Forscherinnen haben Hunderte Instagram Posts untersucht. Wie versuchen Jugendliche, ihre Bilder zu optimieren?

Furtwängler: Mädchen vergrößern, zum Teil mit Apps, ihre Brüste, verengen ihre Taille, verlängern ihre Beine, Jungen machen ihre Beine muskulöser, verbreitern ihre Schultern, und bauen sich ein Sixpack. Mädchen sollen wahnsinnig schlank sein und trotzdem große Brüste und Hintern haben. Diese Kombination ist rein biologisch kaum machbar. Denn wenn ich klapperdürr bin, ist in der Regel vorn und hinten einfach nicht mehr viel da. Da kann man nur nachhelfen. Wir haben ein Zitat von einem Mädchen, das sagt: Ich mache mir immer die Beine länger, weil das natürlicher aussieht.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Wunschbilder und Wirklichkeit werden schon verwechselt?

Furtwängler: In den USA gibt es bereits das Phänomen "Snapchat Dysmorphia": Mädchen gehen zum Schönheitschirurgen, damit sie im richtigen Leben so aussehen, wie auf den gefilterten Snapchat-Bildern. Auffällig ist auch, dass der Wunsch nach Nasenverkleinerungen zugenommen hat, denn durch den Weitwinkeleffekt bei den Selfies hat man tatsächlich immer einen riesigen Zinken im Gesicht.

SPIEGEL ONLINE: Aber niemand schreibt Frauen und Mädchen vor, sich an Schönheitsklischees zu halten oder sich auf Handarbeiten und Schminktipps zu fokussieren. Wie erklären Sie sich, dass weibliche User sich trotzdem darauf festlegen?

Furtwängler: Es ist eine erstaunliche normierende Macht, die durch die sozialen Medien ausgeübt wird, obwohl diese Plattformen doch per se erst einmal einen völlig freien Raum zur individuellen Selbstinszenierung geboten haben. Es wäre interessant herauszufinden, wie genau diese Normierung so dominant werden konnte. Und warum sich die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen durchgesetzt haben, die eine solche Normierung mit Werbung erzeugen oder befeuern wollen. Frauen sind jedenfalls umso erfolgreicher, je mehr sie sich an den engen Rollenvorgaben orientieren. Das uniforme Frauenbild ist alarmierend. Es leugnet und ignoriert in weiten Teilen weibliche Diversität.

SPIEGEL ONLINE: Also sollte Schönheit für Frauen gar kein Maßstab mehr sein?

Furtwängler: Es ist nichts dagegen zu sagen, dass wir hübsch sein wollen. Gleichzeitig kann und muss das Konzept von hübsch oder schön jedoch Vielfalt zulassen. Ganz generell ist die Einschränkung deprimierend, der zufolge Mädchen ihren Selbstwert primär darüber definieren, wie viele Likes sie für ihr Aussehen bekommen und wie viele Typen scharf auf sie sind. Und es eben nicht darum geht, ob sie eine tolle Sache erfunden oder etwas gebaut oder sonst eine großartige Leistung vollbracht haben. Dieser schmale Korridor, in dem Frauen sich bewegen, ist sehr irritierend, er orientiert sich am Frauenbild der 1950er Jahre.

SPIEGEL ONLINE: Kann man trotzdem sagen, dass sich in der jüngeren Social-Media-Welt Fortschritte gegenüber den klassischen Medien zeigen?

Furtwängler: Ich fürchte nein, eher im Gegenteil. In den traditionellen Medien bewegen sich die Verantwortlichen wenigstens langsam in Richtung Diversität und Geschlechtergerechtigkeit, hinterfragen stereotype Darstellungen. In den sozialen Medien gibt es keine Kontrollinstanz und keine Möglichkeit, das zu beeinflussen. Natürlich gibt es auf allen Social-Media-Plattformen eine große Bandbreite an Selbstdarstellung, aber ein Algorithmus schert sich nicht um Vielfalt oder Vermeidung von Stereotypen.

SPIEGEL ONLINE: Was müsste Ihrer Meinung nach unternommen werden?

Furtwängler: Schulen müssen zu mehr Medienkompetenz verhelfen. Eltern müssen sich mit den Bildern auseinandersetzen, die ihre Kinder prägen und selber entwerfen. Und wir müssen das Bewusstsein, gerade auch bei den Influencerinnen, dafür schärfen, wie wirkmächtig ihre Bilderwelten sind, wie sehr sie im Unterbewusstsein wirken. Das ist auch meine Motivation, mich hier zu engagieren, zu analysieren, was wir sehen und mit den Influencerinnen, deren Arbeit ich durchaus respektiere, darüber in die Diskussion zu kommen.

SPIEGEL ONLINE: Als Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm bilden Sie mit Ihrer neuen Co-Kommissarin Florence Kasumba alias Anais Schmitz ein richtiges Alphafrauen-Team. Wie gefällt Ihnen das?

Furtwängler: Ich finde es sehr gut, dass mit Florence im "Tatort" die erste weibliche Doppelspitze bilde, vor allem weil die Auseinandersetzung zwischen den Kommissarinnen nicht hysterisch, zickig oder weinerlich geführt wird, sondern wie zwischen zwei Kerlen mit Aggression auf Augenhöhe.

SPIEGEL ONLINE: Und das ist besser? Sie müssen dabei ganz schön einstecken.

Furtwängler: Ja, nicht wahr? Aber Frauen sind nun mal nicht die besseren Menschen!

Claudia Eisinger (Jahrgang 1984) bekam 2016 für ihre Rolle als depressionsgeschüttelte Karo in dem Film "Mängelexemplar" den Deutschen Schauspielpreis. In der Fernsehserie "Zarah - Wilde Jahre" kämpfte sie 2017 als rebellische Journalistin gegen die patriarchalen Strukturen eines bedeutenden Printmagazins, außerdem engagiert sie sich in dem kreativen Netzwerk "Club der jungen Wilden". Eisinger wuchs in einer Berliner Arztfamilie auf und lernte an der Ernst-Busch-Schauspielschule.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren fast das ganze vergangene Jahr auf Reisen. Was hat Sie fortgetrieben?

Eisinger: Viele Dinge in meinem Leben haben sich nicht mehr wahr angefühlt. Es stand eine große Veränderung auf sämtlichen Ebenen an. Ich wusste anfangs nicht, wohin mich diese Reise bringen würde. Letztlich war ich zweimal in New York, unter anderem, um Schauspielunterricht am William Esper Studio zu nehmen, dann auf Bali und in Colorado. 2018 ist für mich ein lebensveränderndes Jahr geworden.

SPIEGEL ONLINE: Weshalb war das nötig?

Eisinger: Mir wurde alles zu eng. Ich musste mich in meine Freiheit aufmachen, um mich nicht nur der Schauspielerei auf neue Weise anzunähern, sondern auch anderen künstlerischen Kanälen nachzuspüren.

SPIEGEL ONLINE: Lag der Grund für diese Auszeit auch am Misserfolg der ZDF-Serie "Zarah - Wilde Jahre"? Es war bestimmt deprimierend, als Serien-Hauptfigur kurzerhand ins Nachtprogramm abgeschoben zu werden.

Eisinger: Ehrlich gesagt, nein. Ich habe es nicht persönlich genommen. Allerdings war der Dreh für mich eine einschneidende Erfahrung.

SPIEGEL ONLINE: Was war so einschneidend?

Eisinger: Wir sollten von einer revolutionären Zeit erzählen - aber bitte nicht zu radikal. Dieser Widerspruch war für mich einfach schwer auszuhalten. Ich fand es absurd, eine rebellische Figur zu spielen, die Zwänge aufbrechen wollte, und gleichzeitig als Schauspielerin in einem redaktionsbeherrschten starren System zu stecken. Ich fühlte mich dadurch sehr begrenzt.

SPIEGEL ONLINE: Wie wurde die Reise zu einem Neuanfang?

Eisinger: Zwar liebe ich die Schauspielerei sehr, aber sie ist nicht das einzige, was mich ausmacht, das weiß ich schon länger. Und außerdem werde ich nicht mein ganzes Leben in Deutschland verbringen. Mit dieser Reise gebe dem Raum, was in mir schlummert und schon lange raus möchte.

SPIEGEL ONLINE: Konkret heißt das: Sie haben in Bali ein Modelabel gegründet, "What would Bella do?".

Eisinger: Ich sage nicht so gern Label. Für mich ist das eher ein Multi-Ausdruckskanal. Zwar habe ich begonnen, unter diesem Namen Kleidung zu machen, aber das ist nur der Anfang. Weitere Projekte, zum Beispiel ein Podcast, sollen folgen. Die Frage "What would Bella do?" richtet sich an die Instanz in uns, die frei ist von Masken und gesellschaftlichen Rollen, die wir im Leben spielen. Wie würden wir leben, wenn wir diesem höheren Teil in uns folgen würden anstatt der gesellschaftlichen Norm?

SPIEGEL ONLINE: Was für Kleidung haben Sie entworfen?

Eisinger: Unter anderem Kimonos. Der Kimono ist ein zeremoniell aufgeladenes Kleidungsstück, das Halt gibt. Er könnte das Gewand einer Superheldin oder einer Göttin sein. Ich hatte die Ideen, und eine befreundete Modedesignerin in Bali hat sie für mich in Schnittmuster übersetzt. Dann wurde alles per Hand genäht und bedruckt. Auf Bali hatte ich die Möglichkeit, die Produktionsbedingungen so zu gestalten, dass die Näherinnen nicht ausgebeutet werden. Mir war wichtig, persönlichen Kontakt zu ihnen zu haben, ihre Arbeitsbedingungen und ihren Verdienst zu kennen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben außerdem den Plan für eine Pyramide entwickelt. Was steckt da denn dahinter?

Eisinger: Seit meinem Aufenthalt in New York verfolgte mich die Vision einer Pyramide, und der bin ich nachgegangen. Durch ihre Architektur und Positionierung sind Pyramiden seit Jahrtausenden hochenergetische Räume, die den Menschen helfen, sich mit dem universellen Bewusstsein zu verbinden. Ich möchte Oasen schaffen, in denen man für eine kleine Weile aus dem Hamsterrad aussteigen kann. Solche Orte brauchen wir mehr denn je.

SPIEGEL ONLINE: So richtig vorstellen kann man sich das jetzt aber noch nicht.

Eisinger: Ich kann noch nicht so viel verraten, nur dass ich mit einer Kuratorin und verschiedenen Künstlern an der Umsetzung arbeite.

SPIEGEL ONLINE: Bleibt bei all dem noch Zeit für die Schauspielerei?

Eisinger: Unbedingt. Ich bin sehr offen für das, was da jetzt auf mich zukommt.

Christiane Paul (Jahrgang 1974) hat als Ärztin und Schauspielerin einen ungewöhnlichen Werdegang. Den Arztberuf hat sie zugunsten der Schauspielerei aufgegeben. 2016 erhielt sie den Emmy als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der Richterin im Fernsehfilm "Unterm Radar". Paul engagiert sich politisch, unter anderem für Menschenrechte und besseren Umweltschutz. In der Serie "8 Tage" erlebt sie die letzte Woche vor dem Einschlag eines Asteroiden, der Europa zu zerstören droht. Start am 1. März auf Sky.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrer neuen Serie "8 Tage" droht die Erde von einem Asteroiden zerstört zu werden. Sind Sie persönlich manchmal in Weltuntergangsstimmung?

Paul: Man könnte den Asteroid vielleicht eher als Metapher sehen. Wenn überhaupt, dann mache ich mir Sorgen um katastrophale Folgen von Umweltverschmutzung und Klimaveränderung. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir das in den Griff bekommen. Insofern bin ich optimistisch und nicht in Weltuntergangsstimmung.

SPIEGEL ONLINE: Sie setzen sich seit Langem öffentlich für mehr Umweltschutz ein. Hat sich mit der Zeit merklich etwas verändert?

Paul: Ich habe mich 2011 in meinem Buch damit beschäftigt, was jeder Einzelne tun kann. Inzwischen denke ich, dass es zwar toll ist, wenn Leute vegan leben, aber das reicht nicht. Wir können die Lösung der Probleme nicht nur auf die Konsumenten, die Bevölkerung abwälzen. Einer alleinerziehenden Mutter können wir nicht vorschreiben, nur Pfandflaschen und Brot aus dem Bioladen zu kaufen. Die Politik muss Lösungen und Regelungen für die Wirtschaft finden.

SPIEGEL ONLINE: Achten Sie im Alltag besonders viel auf die Umwelt?

Paul: Mülltrennung, Umweltpapier, all diese Beiträge leisten wir natürlich. Aber ich stoße an Grenzen. Meine Kinder lieben Fleisch. Dagegen komme ich nur schwer an mit meinen bescheidenen Kochkünsten. Und ehrlich gesagt, mein Leben als Schauspielerin in Mitteleuropa mit gehobenem Lebensstandard macht es sehr schwer. Ich reise viel, fliege, die Kleidung, all diese Dinge... Ich habe einen sehr großen CO2-Fußabdruck, auch wenn ich oft Fahrrad und U-Bahn fahre.

SPIEGEL ONLINE: Versuchen Sie, andere zu überzeugen, nachhaltiger zu leben?

Paul: Ich habe das eine Zeit lang stark propagiert, aber damit aufgehört, weil ich in Gesprächen mit Freunden oder in Talkrunden häufig eine Abwehrhaltung gespürt habe. Die andere Seite wird entweder sofort still oder reagiert mit Scheinargumenten: Warum muss ich ein umweltfreundliches Auto kaufen, wenn der Chinese sich gar nicht um Umweltschutz kümmert? Das ist eine Art Schutzverhalten. Die Chinesen spielen doch sonst bei unseren Entscheidungen keine Rolle. Warum werden sie an dieser Stelle hervorgeholt? Das habe ich oft erlebt und deswegen aufgehört, so missionarisch zu diskutieren.

SPIEGEL ONLINE: Wovor schützen sich die Menschen?

Paul: Sie haben Angst, Dinge aufzugeben, von denen sie glauben, dass sie unbedingt zu ihrem Leben und zum Wohlstand gehören. Leider sehen viele nicht, dass wir dafür so viel anderes aufgeben, in Staus stehen, verschmutzte Luft atmen. Aber wahrscheinlich verlangen wir zu viel von den Menschen. Ich denke, wir brauchen in dem Fall mehr Staat, eine Politik, die den Menschen abnimmt, visionär zu denken und die Probleme zu lösen. Der Einzelne schafft das nicht.

SPIEGEL ONLINE: Heißt das nicht: mehr Bevormundung?

Paul: Nicht, wenn es richtig gemacht wird. Politiker müssen ihre Verantwortung tatsächlich wahrnehmen. Ich erwarte, dass sie vor einer Migrationskrise wissen, dass diese Krise auf uns zukommt und das Land darauf vorbereiten. Da sehe ich Handlungsbedarf. In "8 Tage" versagt die Politik auch, während die Bevölkerung in Starre verharrt.

SPIEGEL ONLINE: Besonders unheimlich erscheint in der Serie der moralische Verfall sämtlicher Beteiligten und der Sieg des puren Egoismus. Wie würden Sie sich verhalten?

Paul: Ich bin solchen extremen Situationen noch nicht ausgesetzt gewesen. Vielleicht ist es normal, dass jeder versucht, seine Haut zu retten. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten würde. Ich frage mich auch manchmal, ob ich den Mut gehabt hätte, gegen den Nationalsozialismus aufzustehen.

SPIEGEL ONLINE: Also zweifeln Sie daran, dass sich in der Katastrophe die Moral aufrechterhalten lässt?

Paul: Ich bin mir nicht sicher. Auf der anderen Seite gibt es gerade in Kriegssituationen viele Menschen, die Solidarität zeigen. Auch in "8 Tage" gibt es Menschen, die sich einen Rest an moralischem Empfinden bewahren.

SPIEGEL ONLINE: Können wir uns darauf vorbereiten, in der Gefahr unseren moralischen Kompass nicht zu verlieren?

Paul: Es ist essenziell, den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten. Die Leute können sich nur für Moral interessieren, wenn der Druck nicht zu groß ist. Und der wird zurzeit immer größer. Es macht Angst, wenn wir uns fragen müssen, ob die Schicht der Zivilisation so dünn ist, dass wir in Gefahr sofort wieder mit der Machete losrennen. In den letzten Jahrhunderten haben wir große Fortschritte in der Entwicklung unserer kulturellen Werte gemacht. Wir müssen nun schauen, dass wir diese Werte nicht verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Frau Broich, vor der Schauspielkarriere waren Sie professionelle Fotografin. "Tatort"-Kommissarin Anna Janneke, die Sie seit 2015 spielen, hat immer eine Kamera dabei. War das Ihre Idee?

Broich: Ja. Ich dachte: Waffen sind nicht so mein Ding, dann lieber Fotos schießen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie als Schauspielerin Einfluss auf die Entwicklung der Figur?

Broich: Vor unserem ersten "Tatort" wurden die Figuren gemeinsam mit der Redaktion entwickelt. Anna Janneke sollte ein bisschen kauzig und fahrig sein. Oft sind TV-Kommissare ja nicht so gut gelaunt, manchmal eher muffig. Da wollte ich etwas anderes probieren. Gute Laune als Ermittlungstaktik sozusagen. Aber jedes neue Drehbuch muss vielen Anforderungen genügen, da bleiben natürlich einige Ideen auf der Strecke.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Broich: Meine Frau Janneke hatte in der ersten Folge einen Sohn. Der war mit Rucksack, Freundin und Baby - Oma ist Janneke also auch! - in Australien unterwegs, und wir haben miteinander geskypt. Er tauchte danach nie wieder auf. Vor Kurzem habe ich den jungen Kollegen zufällig in Berlin getroffen und ihn gefragt, wo er eigentlich abgeblieben sei. "Ich bin wohl im Drehbuch verschwunden", war seine Antwort.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben als Theaterfotografin gearbeitet, bevor Sie Schauspielerin wurden. Wie kam es zu dem Wechsel?

Broich: Ich war vom Geschehen auf der Bühne manchmal so verzaubert, dass ich vergessen habe, auf den Auslöser zu drücken. Theaterarbeit ist ein Mannschaftssport. Fotografen arbeiten allein. Das war sicher ein Grund, die Seiten zu wechseln.

SPIEGEL ONLINE: Aber das war nicht der einzige Grund, oder?

Broich: Nein. Vor allem war es Liebe. Viele Jahre später hatte ich eine Fotoausstellung mit großformatigen Abzügen von Otto Sander, Martin Wuttke, Sophie Rois und anderen Kollegen. Ich betrachtete meine Fotos mit etwas Abstand und verliebte mich förmlich ein zweites Mal in die Schauspielerei.

SPIEGEL ONLINE: Was begeisterte Sie?

Broich: Die Porträtierten waren von einer Zartheit und Verletzlichkeit, die mir vorher nicht aufgefallen war. Alle Aufnahmen sind nur Minuten nach Vorstellungsende entstanden. Die Schminke war verrutscht, die Ohren rot, der Blick müde und doch voller Adrenalin, kein Darstellungstrieb. Also kein Glamour - aber was für ein toller Beruf, was für wunderbare Menschen. In den Minuten nach der Vorstellung sind Schauspieler in einem seltsamen Schwebezustand, zwischen der Rolle und sich selbst. Ein eher einsamer Moment. Meine Bilder sind aus dem Inneren des Theaters gemacht. Da haben sich meine beiden Berufe, die Schauspielerei und die Fotografie, die Hand gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen stehen Sie häufiger vor der Filmkamera als hinter dem Fotoapparat oder auf der Bühne. Verzaubert ein Dreh ähnlich wie ein Bühnenauftritt?

Broich: Theaterschauspielerin oder Filmschauspielerin, das kommt mir vor wie zwei verschiedene Berufe. Theater ist viel körperlicher. Das ist Berserkerarbeit, anstrengend, martialisch. Da war ich hin und wieder verzweifelt.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Broich: Das Spielen hat mir immer sehr großen Spaß gemacht, aber die Proben waren oft dornig. Wenn man ein Foto macht und es wird kritisiert, dann redet man über eine Sache. Auf der Bühne bin ich selbst das Objekt, an dem herumgefeilt wird. Ich fühlte mich manchmal persönlich angegriffen und habe dann grundsätzlich gezweifelt. Das hat das Arbeiten für den Regisseur und auch für mich nicht einfacher gemacht. Der Ton im Theater ist oft sehr rau. Man muss funktionieren und zwar immer, auch mit Fieber, an Weihnachten, Ostern, Neujahr. Die großen Theaterregisseure der Achtziger- und Neunzigerjahre waren Götter, da wurde gerne mal gebrüllt.

SPIEGEL ONLINE: Und beim Drehen passiert das nicht?

Broich: Da habe ich das nie erlebt. Beim Drehen wird mehr für die Schauspieler gesorgt. Außerdem war ich Mitte 40 und sehr erfahren, als ich regelmäßig zu drehen begann.

SPIEGEL ONLINE: Warum läuft es beim Film so anders als auf der Bühne?

Broich: Die wochenlange Probenarbeit am Theater ist eher suchend, schon deshalb wird es manchmal chaotisch. Beim Filmen gibt es einen strengen Drehplan, da muss ich für Minuten, manchmal nur Sekunden ganz auf dem Punkt sein. Laute Auseinandersetzungen sind da kontraproduktiv.

SPIEGEL ONLINE: In der Komödie "Meine Mutter spielt verrückt", die am Karfreitag ausgestrahlt wird, erleben Sie eine späte Liebe. Das passt zu Ihrem wirklichen Leben. Seit fast zwei Jahren haben Sie einen neuen Mann an Ihrer Seite, einen Wirtschaftsanwalt.

Broich: Wir haben uns im Flugzeug kennengelernt. Wir wurden beide gebeten, andere Plätze einzunehmen, und saßen schließlich nebeneinander. Als ich über die verhedderten Gurte lachen musste, habe ich ihn gefragt, ob er den Sketch von Loriot im Flugzeug kennt. Daraufhin antwortete er: "Oh ja, die Duineser Elegien von Rilke." Die kommen tatsächlich in dem Sketch vor. Das war der Startschuss für ein lustiges eineinhalbstündiges Gespräch - und für mehr.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet eine solche Begegnung in diesem Abschnitt Ihres Lebens?

Broich: Es ist eine wunderbare Erfahrung, die einen aus der Kurve trägt, mit 20 ebenso wie mit 60. Aber da ist auch eine bittersüße Note, weil man eben keine 50 Jahre mehr vor sich hat. Alles wird kostbarer, vielleicht dadurch auch doppelt schön.

SPIEGEL ONLINE: Beneiden Sie Ehepaare, die tatsächlich zusammenbleiben, bis dass der Tod sie scheidet?

Broich: Eigentlich gefällt mir der Gedanke, denn so eine Trennung ist anstrengend. Erst mal fliegt einem alles um die Ohren. Aber wenn das Dach wegfliegt, kann man immerhin die Sterne sehen.

Zur Person
Dietmar Bär, Jahrgang 1961, leiht im Animationsfilm "Pets 2" dem zotteligen Neufundländer Duke seine Stimme. Bevor er beim "Tatort" als Kriminalkommissar Freddy Schenk anheuerte, spielte er dort einen Hooligan. In diesem Jahr dreht er seine 80. Kölner "Tatort"-Folge. Am Frankfurter Schauspiel steht er zur Zeit als Bürgermeisterkandidat auf der Bühne. Seine tierischen Abenteuer in "Pets 2" erlebt Dietmar Bär mit vielen bekannten Kollegen, unter ihnen Jan Josef Liefers, Mario Barth und Jella Haase. Der Computer-Animationsfilm läuft seit dem 27. Juni in deutschen Kinos.

SPIEGEL ONLINE: Sie leihen in "Pets 2" Duke, einem brummigen, gemütlichen Neufundländer, Ihre Stimme. Welche Ähnlichkeiten haben Sie zwischen sich und Duke entdeckt?

Bär: Man muss ja nicht aussehen wie ein Neufundländer oder sein wie Duke. Es kommt nur auf die Stimme an. Allerdings wäre ich als Gidget - das ist der kleine Spitz - wohl nicht gut besetzt, denn sicher stellen sich die meisten vor, dass Duke von jemandem gesprochen wird, der ein bisschen größer und breiter ist. Auf jeden Fall kann Duke nicht von einem älteren Herrn gesprochen werden, der beim Sprechen einschläft. Duke ist sehr lebendig und lebt nach der Devise: Mein Napf ist immer halb voll.

SPIEGEL ONLINE: Ist das auch Ihr Lebensmotto?

Bär: Diese Frage höre ich oft: Was steckt von Dietmar Bär in Duke oder dem "Tatort"-Kommissar Freddy Schenk? Ich würde sagen: nichts.

SPIEGEL ONLINE: Vor Urzeiten haben Sie am Wuppertaler Stadttheater im hautengen Glitzerkostüm Kaa, die Schlange aus dem "Dschungelbuch", gespielt. Welche Rolle passt besser zu Ihnen, Kaa oder Duke?

Bär: Das ist 30 Jahre her. Zuerst habe ich gedacht, es wird bestimmt ein Balu auf mich zukommen, aber da wir zwei dicke Jungs im Ensemble hatten, spielte Josef Ostendorf den Balu und ich Kaa und den Wolf. Die größte physische Herausforderung war nicht das hautenge Paillettenkleid, sondern es waren die grünen High Heels. Da habe ich zum ersten Mal verstanden, was Frauen zu leisten haben. Am Anfang haben die Mittelfüße sehr geschmerzt. Aber diese High Heels geben einem sofort eine andere Körperhaltung.

SPIEGEL ONLINE: Was ist die größte Herausforderung als Synchronsprecher?

Bär: Ich bin kein hauptberuflicher Synchronsprecher. Normalerweise synchronisiere ich nur meine eigenen Filme nach, wenn es Schadstellen gibt. Heute muss ich zum Beispiel noch zum Nachsynchronisieren des letzten "Tatort"-Drehs. Es sind nur 15 Takes, da bin ich zufrieden. Man muss auch unterscheiden zwischen der Synchronisation eines Animationsfilms und der eines Schauspielerkollegen aus Fleisch und Blut. Animationsfilme und Hörspiele liegen viel dichter am Theater als der Film mit realen Charakteren.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Bär: Beim Theater, insbesondere beim Weihnachtsmärchen, muss man dem Affen Zucker geben, alles ein bisschen übertreiben. Man spielt auf der Bühne eben größer als im Film. Also, wenn Duke sich freut, dass er mit wehenden Ohren Auto fahren darf, dann dreht er so richtig durch und das muss meine Stimme zum Ausdruck bringen.
SPIEGEL ONLINE: Orientieren Sie sich an der originalen Vorlage?

Bär: Ich frage mich natürlich, wie es der amerikanische Kollege gemacht hat. Bevor es losging, durfte ich mir die Originalfassung von "Pets2" anschauen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie lief dann die Synchronisation, wie eine riesengroße Haustierparty?

Bär: Nein, im Gegenteil, jeder wird einzeln aufgenommen, Abschnitt für Abschnitt. Man bekommt zunächst einen kurzen amerikanischen Take zu hören. Wenn andere Kollegen oder Kolleginnen schon vorher gearbeitet haben, spielt der Regisseur einem das auch kurz vor. Es ist manchmal hilfreich zu wissen, wie die anderen sich darstellen.

SPIEGEL ONLINE: Vermissen Sie die Arbeit mit dem ganzen Körper, wenn Sie nur Ihre Stimme einsetzen?

Bär: Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Verrenkungen und Gesichter wir machen, um an das zu kommen, was da gerade auf der Leinwand passiert. Also fühle ich mich keineswegs reduziert.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie mit Haustieren aufgewachsen?

Bär: Als Kind hatte ich einen Hamster und ein Aquarium. Ich war Mitglied im Aquariumklub der Schule und bin regelmäßig mit dem Fahrrad zu einem nahen Tümpel gefahren, um Wasserflöhe und Mückenlarven zu holen. Ab und zu brachte ich einen Plastikbeutel mit einem neuen Fisch aus der Stadt nach Hause. Den Beutel habe ich erst mal aufs Wasser gelegt, um die Temperatur auszugleichen, und dann das Fischchen, das ja voll im Stress war, vorsichtig ins Wasser gelassen. Je teurer die Biester sind, desto empfindlicher sind sie.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie derzeit Haustiere?

Bär: Im ersten "Pets"-Film sieht man, wie Max, der Terrier, immer sehnsüchtig in der Wohnung vor der Tür sitzt und auf sein Frauchen wartet. Diesen Ansprüchen eines Haustiers könnte ich bei meinem Beruf nicht gerecht werden. Aber ich mochte schon immer den Eigensinn und die Unabhängigkeit von Katzen.

Zur Person
Schauspielerin Martina Gedeck, bekannt u.a. aus "Das Leben der anderen" und "Die Wand", ist ab 8. August 2019 in deutschen Kinos zu sehen. In der Scheidungskomödie "Und wer nimmt den Hund?" steht sie als Doris nach 26 Jahren, zwei Kindern und einem Hund vor den Trümmern ihrer Ehe, denn ihr Mann Georg, gespielt von Ulrich Tukur, beginnt eine Affäre mit einer Doktorandin. Martina Gedeck war lange mit dem Schauspieler Ulrich Wildgruber liiert, bis der sich 1999 das Leben nahm. Mit Angaben aus ihrem Privatleben ist sie äußerst zurückhaltend, sie verrät nicht einmal ihr Geburtsdatum.

SPIEGEL ONLINE: Frau Gedeck, haben Sie einen Hund?

Gedeck: Nein, aber ich mag Hunde. In "Die Wand" war ein Jagdhund über zwei Jahre mein Spielpartner. Meine Großmutter hatte einen Hund, der mich in meine Selbstständigkeit begleitete. Mit ihm durfte ich allein durch Wälder und Wiesen streifen. Der Hund lief frei herum, aber er hat auf mich aufgepasst. Das war ein Gefühl von Sicherheit und gleichzeitig von Freiheit.

SPIEGEL ONLINE: Der Filmtitel lautet "Und wer nimmt den Hund?" - trifft das den Kern der Handlung?

Gedeck: Ja, genau. Der Titel stellt die Grundfrage einer Trennung, und diese lautet: Wie soll man etwas teilen, das nicht zu trennen ist? Man kann den Hund nicht zweiteilen. Der Hund verkörpert ein Problem, das nicht zu lösen ist.

SPIEGEL ONLINE: Der Hund steht also symbolisch auch für Kinder - und wofür noch?

Gedeck: Für die Liebe an sich, die man auch nicht trennen kann, dieses Band zwischen zwei Menschen. Eine Beziehung ist wie ein starkes Gewebe aus einem Faden, der hin- und hergeht, das kann man nicht einfach durchtrennen. Es bleibt als Lebensgewebe bestehen und begleitet einen weiter. Man kann - wenn wir beim Beispiel des Films bleiben - 26 Jahre Ehe nicht abschütteln oder ausradieren. Diese Ehejahre sind in einem drin, die haben das eigene Leben geprägt. Man kann sich von einer Person lösen und ein neues Leben anfangen ohne diese Person. Aber selbst dann bleibt der frühere Partner immer noch präsent in meinen Gedanken.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie persönlich ähnliche Erfahrungen gemacht? Gedeck: Nein, ich habe das nicht erlebt; ich war nie ein halbes Leben verheiratet.

SPIEGEL ONLINE: War es daher schwierig für Sie, sich in eine Figur wie Doris hineinzuversetzen? Gedeck: Als Schauspielerin versetze ich mich fast immer in Situationen hinein, die ich nicht kenne. Aber ich
kenne die Gefühle: Wut, Ohnmacht, Schwäche, Verzweiflung, Trotz oder Rache.

SPIEGEL ONLINE: Wie machen Sie sich mit der Problematik vertraut? Lesen Sie oder sprechen Sie mit Leuten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben?

Gedeck: Ich stelle mir das vor. Mein Ausgangsmaterial sind der Text und die jeweiligen Spielsituationen. Ich fange lange vor dem Dreh an, mich damit zu beschäftigen, und schaue mir jede Szene an. Ich habe mir in diesem Fall zum Beispiel überlegt, dass Doris noch eine gewisse Kindlichkeit und etwas Unbefangenes in sich trägt. Sie versucht recht schnell, in ihrer Ohnmacht während der Trennungsphase ihre Würde wiederzubekommen und schafft sich dafür neue Felder. Sie lässt sich auf einen anderen Mann ein, sie denkt über Kunstprojekte nach. Das zeugt von einer Grundlebensfreude, die auch durch den Betrug ihres Mannes nicht kaputtgegangen ist.

SPIEGEL ONLINE: Und irgendwann zündet sie aus Wut ein Auto an. Können Sie sich vorstellen, aus Verzweiflung oder Wut so zu reagieren?

Gedeck: Eigentlich nicht, aber Doris kann es sich auch nicht vorstellen - und macht es trotzdem. Ich kann allerdings durchaus nachvollziehen, dass die Wellen über einem zusammenschlagen und dass man sich abreagieren möchte. Das sind die Dinge, die man nicht in der Hand hat. Man verliert die Kontrolle. Die Kontrolle zu verlieren, das kann ich mir tatsächlich vorstellen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn eine Ehe in die Brüche geht, ist es selten so, dass eine Seite völlig im Recht ist. Wie haben Sie in diesem Fall Ihre Position gefunden?

Gedeck: Als Schauspielerin muss ich meine Figur und das, was ich zu spielen habe, verteidigen und rechtfertigen. Nur dann kann ich das glaubhaft und überzeugend rüberbringen. Als ich den fertigen Film zum ersten Mal gesehen habe, habe ich gedacht: Immer wenn er was sagt, hat er recht. Und immer wenn sie etwas sagt, hat sie auch recht. Das kann nur glücken, wenn beide Schauspieler ihren eigenen Raum bewahren beim Spielen.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet das in diesem Zusammenspiel mit Ulrich Tukur, der im Film den untreuen Ehemann Georg spielt?

Gedeck: Wir schauen uns gegenseitig nicht zu sehr in die Karten, verständigen uns nicht über unser Spiel. Ich sehe, wie er sich präsentiert, wie er spricht oder mich anschaut, wenn er die Szene spielt. Das ist sein Angebot oder umgekehrt meins. Das macht es echt. Das klappt nicht bei jedem, aber wenn es funktioniert, ist das etwas sehr Besonderes und Schönes. Mit Ulrich Tukur kann man das gut machen.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie persönlich an die eine große Liebe zu einem Menschen?

Gedeck: Wenn Sie jetzt nach der partnerschaftlichen Liebe fragen, so kann es in einem ganzen langen Leben
auch zwei, drei große Lieben geben.

SPIEGEL ONLINE: So haben Sie das auch erlebt?

Gedeck: So habe ich das erlebt. Zum Glück.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben einmal gesagt, dass Sie zu Ihrem verstorbenen Lebensgefährten Ulrich Wildgruber eine sehr symbiotische Beziehung hatten - und dass Sie jetzt das Gefühl haben, mit Ihrem Partner, dem Regisseur Markus Imboden, in einer "erwachsenen Liebe" zu leben. Die Liebe kann sich also in ganz verschiedenen Formen ausdrücken?

Gedeck: Wir wachsen, verändern uns im Laufe der Jahre, haben einen anderen Erfahrungshorizont, andere Bedürfnisse. Junge Menschen haben andere Stärken als ältere, entsprechend kann sich eine Liebe entwickeln. Und es hängt immer auch vom Gegenüber ab. Welche Eigenschaften oder Interessen werden durch den Partner belebt und welche treten eher in den Hintergrund?

SPIEGEL ONLINE: Die Idealvorstellung ist immer noch, mit einem Partner beziehungsweise einer Partnerin zusammenzuleben oder verheiratet zu sein, "bis dass der Tod euch scheidet". Sie sind nicht verheiratet, oder?

Gedeck: Doch.

SPIEGEL ONLINE: Seit wann?

Gedeck: Schon ein Weilchen.

SPIEGEL ONLINE: Warum wollen Sie das nicht verraten?

Gedeck: Was wollten Sie ursprünglich wissen?

SPIEGEL ONLINE: Müssen wir uns vom Traum einer lebenslangen Partnerschaft endgültig verabschieden?
Gedeck: Es wird vielleicht irgendwann der Punkt kommen, wo dieser Halbsatz selbst aus dem kirchlichen Eheversprechen gestrichen wird. Aber als Ausgangspunkt finde ich das erst mal gut. Wir sollten immer 150 Prozent anstreben, dann schaffen wir vielleicht 80 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Wann gibt es bei Ihnen zuhause Leberkäs?

Sebastian Bezzel: Der Leberkäs an sich spielt in meinem Leben keine große Rolle. Nachdem ich zwei Wochen durch bayerische Kinos getourt bin und überall Leberkäs bekommen habe, habe ich ihn etwas über.

SPIEGEL ONLINE: Klingt, als habe Sie die Kinotour ziemlich geschafft.

Bezzel: Diese laute Art, sich selbst zu feiern, so euphorisch, herzlich, manchmal auch krachledernd, das gibt es so im Norden nicht. Einige Zuschauer verkleiden sich sogar manchmal als Eberhofer, sie können die Filmdialoge auswendig und finden alles toll, auch weil es einfach bayerisch ist. Dabei habe ich manchmal das Gefühl, dass der eine oder andere bayerische Zuschauer die Eberhofer-Filme vielleicht falsch versteht. Sie kommen in Tracht und die Blasmusik spielt, aber sowohl Blasmusik als auch Trachten kommen in den Filmen kaum vor und ich spiele einen Misanthropen, der darauf sowieso keinen Bock hat. Jedenfalls finde ich es jetzt herrlich wieder bei meiner Familie im Norden zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Sprechen Ihre Kinder Bayerisch?

Johanna Christine Gehlen: Leider kaum, aber sie lieben Leberkäs-Semmel. Sie freuen sich sehr, wenn sie in Garmisch-Partenkirchen, wo die Großeltern, also Sebastians Eltern, leben, zum Metzger gehen dürfen. Unsere Tochter trägt auch sehr gern Dirndl, allerdings nicht in Hamburg, nur in Bayern.

SPIEGEL ONLINE: Was ist für Kinder in Bayern anders als in Norddeutschland?

Bezzel: Ich denke nicht, dass die Unterschiede regional bedingt sind, aber es macht einen großen Unterschied, ob Kinder in der Stadt oder auf dem Land aufwachsen. Noch wichtiger ist meiner Meinung nach das soziale Milieu: In einem Viertel wie Hamburg-Ottensen leben Kinder ähnlich wie in München-Schwabing. Und die Kinder in Mümmelmannsberg in Hamburg haben die gleichen Probleme wie die Kinder in München-Hasenbergl.

SPIEGEL ONLINE: Also bemerken Sie keine regionalen Unterschiede?

Bezzel: Abgesehen davon, dass in Bayern alles etwas barocker ist, fällt mir die starke Leistungsorientierung dort auf. Man betreibt zum Beispiel keinen Sport, man spielt kein Theater, einfach nur, weil es Spaß macht - sondern es geht sehr oft darum, Leistung zu zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Erklärt sich dadurch, dass bayerische Schulen bei Ländervergleichen oft besonders gut abschneiden?

Bezzel: Das kommt vielleicht auch daher, dass wir in Bayern eine Regierung haben, die ewig lange beharrlich ihren Kurs verfolgen konnte. Ich bin kein Anhänger der CSU, ganz im Gegenteil, aber in anderen Ländern gab es öfter einen politischen Wechsel und weniger Konstanz im Bildungsbereich.

SPIEGEL ONLINE: In Bayern hängen Kruzifixe in Klassenräumen und Behörden. Spüren Sie als Familie den größeren Einfluss der Religion?

Bezzel: In Garmisch-Patenkirchen, wo ich geboren bin, sind fast alle Kinder getauft. Wir stoßen dort ab und zu auf Besorgnis und Erstaunen, weil unsere Kinder nicht getauft sind. In Hamburg ist das gar kein Thema.

Gehlen: Ich bin weder evangelisch noch katholisch getauft. Für Sebastians Familie war das nie ein Problem. Sebastian kommt allerdings auch nicht aus einer traditionell einheimischen Familie.

Bezzel: Meine Eltern sind aus beruflichen Gründen in den Sechzigern von München nach Garmisch gezogen und eher großstädtisch geprägt. Sie sind beide Akademiker, das war damals auf dem Land eher ungewöhnlich.

SPIEGEL ONLINE: Was schätzen Sie an Ihrer alten Heimat?

Bezzel: Interessant finde ich den Spagat zwischen Laptop und Lederhose, den hat man in Bayern gut hinbekommen, und das ist nicht zuletzt Franz Josef Strauß zu verdanken. Er hat es geschafft aus dem Agrarland einen High-Tech-Staat zu machen, in dem die Menschen aber weiterhin ihre Traditionen leben. Ich könnte bei Siemens in der Chefetage hocken und dort jeden Tag in Tracht herumlaufen, mit kurzen Lederhosen und nackten Waden - keiner würde etwas sagen. Das ist für mich Bayern: Highend-Technologien kombiniert mit uralten Traditionen.

Gehlen: Wir haben einmal eine Einladung zu einem Empfang der Bayerischen Staatsregierung bekommen und der Dresscode lautete: Smoking, Uniform oder Tracht.

SPIEGEL ONLINE: Gehören zu den gelebten Traditionen nicht auch überlebte Rollenbilder?

Gehlen: Da hat sich viel verändert, denn viele Familien brauchen heute ein zweites Gehalt. Frauen sollen auch immer gerne dann arbeiten, wenn das Geld gebraucht wird.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Kita-Quoten sind in Bayern trotzdem deutlich niedriger. Wie erklären Sie sich das?

Gehlen: Ich kann nur über die Verhältnisse hier in Hamburg reden. Und ich finde die Kita-Politik dieser Stadt ist arbeitnehmer-, familien- und frauenfreundlich.

SPIEGEL ONLINE: Provinzpolizist Franz Eberhofer tut sich etwas schwer mit seiner Vaterrolle.

Bezzel: Ich finde, der Franz macht das nicht schlecht. Er erzieht das Kind so, wie er auch erzogen worden ist. Den Besuch in einem riesigen Spielzeugladen findet er zum Beispiel grauenvoll. Er ist eben der Meinung, dass es für den Kleinen Tausend mal besser ist, mit einer Brezel in der Hand die Hühner zu füttern, als mit Plastik zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Aber an seiner Verlässlichkeit könnte er doch ein wenig arbeiten. Ist Sebastian Bezzel als Papa zuverlässiger als Franz Eberhofer?

Gehlen: Sebastian ist ein toller Vater. Ich verbringe zwar mehr Zeit mit den Kindern, weil ich oft in Hamburg am St. Pauli-Theater arbeite und Sebastian häufiger auf Drehreise ist. Aber wenn er hier ist, ist er voll dabei.

SPIEGEL ONLINE: Mussten Sie beruflich zurückstecken, um für die Kinder da zu sein?

Gehlen: Naja also, wenn sich mir eine Filmfigur wie der Eberhofer bieten würde, dann würden wir das schon bewerkstelligen, auch wenn es fürchterlich anstrengend wäre. Vielleicht hätte mich das aber auch als Mama etwas unglücklich gemacht in den letzten Jahren. Bei Vätern ist das etwas anders, oder?

Bezzel: Manchmal sitze ich im Zug und bin froh, dass ich mich auf meine Rolle konzentrieren kann. Und dann hocke ich irgendwo alleine in einem Hotelzimmer und denke: Was mache ich hier eigentlich? Am Telefon höre ich zuhause lautes Lachen, während sie Pfannkuchen backen. Da kann man auch in ein Einsamkeitsloch fallen.

Gehlen: Und ich wünsche mir hin und wieder ein ruhiges Hotelzimmer in einer anderen Stadt, um zum Beispiel ungestört Texte lernen zu können. Das ist normal. Insgesamt hat sich bisher alles gut gefügt.

SPIEGEL ONLINE: Wer kauft denn die Schuhe für die Kinder und kennt ihre Stundenpläne?

Bezzel: Das machen wir zusammen.

Gehlen: Also, um ehrlich zu sein, für den Überbau bin ich zuständig. Ich denke an alles und plane Arztbesuche, Kindergeburtstage, Geschenke, Einladungen. Das Ausführen der Aufgaben teilen wir uns - wenn Sebastian nicht unterwegs ist.

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Reise und Recherche zur sozialen Lage in den USA mit einem Stipendium des GMF.

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