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Romeo & Julia, ein Ballett von John Neumeier, Musik von Sergej Prokofjew. Die Staatsoper ist voll besetzt, alle 1700 Plätze. Es ist die 170. Vorstellung seit der Premiere vor über vierzig Jahren. Ulrike Schmidt war mindestens zwei Dutzend Mal dabei. „Ich gucke mir alle Besetzungen an, weil es interessant ist, die Entwicklung der Tänzer zu sehen“, erklärt mir die Betriebsdirektorin des Hamburg Balletts. „Eine andere Besetzung – und das Ballett kann komplett anders wirken.“

Außerdem ist sie heute Abend im Dienst. Falls sich gleich jemand die Nase bricht (schon passiert) oder die Technik klemmt, ist sie es, die auf der Bühne verkünden muss, ob und wie es weitergeht.

Wir betreten die Oper durch den Bühneneingang. Sie kennt jeden, der uns begegnet, hat ein paar letzte heißbegehrte Tickets zu verteilen. Freundlich, offen, unkompliziert und unprätentiös wirkt sie auf mich, und patent, ein bisschen wie die Mutter der Kompanie.

Im Büro streift sie die Straßenschuhe ab und schlüpft in die mitgebrachten Pumps. „Das habe ich von den Amerikanerinnen gelernt“, sagt sie. Dann ein Gang über die Bühne, ein Blick hinter die Kulissen, grüßen, ermutigen, schauen, ob alles in Ordnung ist.

Tänzerinnen und Tänzer sind kostümiert, geschminkt, startklar. Wenige Minuten bevor der Vorhang aufgeht, huschen wir auf die beiden Randplätze in der zweiten Reihe, Ulrike Schmidt in dunkler Hose, Blazer und buntem Schal. Vor uns Ballettmeister Lloyd Riggins. Wäre John Neumeier in Hamburg, säße er auch hier; er schaut sich fast jede Vorstellung an, wenn er in der Stadt ist.

Das Ballett ist ungeheuer viel auf Reisen. Tanz kennt keine sprachlichen Grenzen. In den letzten Monaten war Ulrike Schmidt in Kopenhagen, Wien, Madrid, Salzburg, in Tokio und in Oslo, in Baden-Baden und im Oman. Wie kommt das Hamburg Ballett denn ausgerechnet in den Oman? „Witzigerweise war dort in Maskat eine künstlerische Direktorin, die aus Hamburg stammt“, erklärt Ulrike Schmidt. „Sie tauchte hier auf mit einer imposanten Broschüre des wirklich imposanten Opernhauses dort und hat uns eingeladen. Wir haben uns erkundigt und zugesagt.“ Erfahrungen mit der arabischen Welt hatte das Ballett bis dahin noch nicht. Jetzt galt es, die besonderen Bedingungen zu berücksichtigen.

Zu viel Freizügigkeit in den Kostümen, Tänzerinne und Tänzer nur in hautengen Trikots, das war nicht möglich, also wurde ein eher klassisches Stück ausgewählt: Der Nussknacker.

„Aber es kommt dort eine betrunkene Tante vor, die konnte nicht auftreten wegen des Alkoholverbots. Sie wurde zur Kuchen essenden Tante, die immer Petit Fours aß.“

Ansonsten musste nur ein Kostüm verändert werden, zunächst jedenfalls, bis während des Aufbaus in Maskat eine Besuchergruppe verschleierter Frauen durch den Saal geführt wurde und auf die Bühne starrte. Da wurde schlagartig allen bewusst, was auf den Bühnenprospekten zu bewundern war: ein paar schöne nackte Männer. Sofort ließ der technische Leiter des omanischen Teams den Vorhang fallen und der Requisitenmeister wurde angewiesen, Lendenschürzchen für die Bilder zu basteln. „Das fiel nachher kaum auf“, lacht Ulrike Schmidt.

Auf Tourneen ist sie immer dabei, als Koordinatorin, als Notfall-Managerin für die rund 100 Reisenden, als Netzwerkerin und Verhandlerin mit den ausländischen Partnern. In Tokio hat sie gerade über die nächsten Aufführungen verhandelt, in Madrid dafür gesorgt, dass trotz eines Streiks alle Tänzer und Techniker pünktlich zur Vorstellung nach Hamburg zurück kamen.

In Chicago, da war ihr Organisationstalent ganz besonders gefragt. Wegen zugefrorener Wasserwege kam die verschiffte Ausrüstung – Kostüme, Bühnenausstattung, Technik – nicht an. Ulrike Schmidt ließ Ersatz einfliegen, aus Paris, aus Hamburg, wo immer das benötigte Material zur Verfügung stand. Und als schließlich alles beisammen war, stand plötzlich während der Durchlaufprobe das Theater in Flammen. Tänzerinnen und Tänzer ohne Schuhe in dünner Trainingskleidung auf der Straße in frostiger Kälte. Da ging nichts mehr. Im kommenden Februar wird die Vorstellung nachgeholt.

Ins Ausland zu gehen, das war schon als Kind in Leverkusen ihr Traum, den sie aber aufgab, weil ihr Vater starb, als sie gerade im Abitur steckte. Sie mochte die Mutter und die jüngere Schwester nicht allein lassen und machte genau das, was sie eigentlich vermeiden wollte: Sie landete wie ihr Vater (Diplom-Kaufmann) beim großen Bayer-Konzern. Dort ließ sie sich zur Wirtschaftsassistentin ausbilden.

Eine Auslandsposition könne sie sich aus dem Kopf schlagen, machte ihr der Personalchef bald klar: „Frauen schicken wir nicht ins Ausland!“ Das war Mitte der 1970er Jahre. „Ich habe mich nie als starke Emanze gesehen, aber das stach wie tausend Nadeln gegen meinen Gerechtigkeitssinn“, sagt sie, heute mit einem Lachen.

Aber immerhin liegen hier die Anfänge ihrer Karriere als Kulturmanagerin, die sie sehr erfüllt. Zum Heiraten und für Kinder kam nie die richtige Zeit.

Mit 20, 21 schon organisiert Ulrike Schmidt das gesamte Kulturprogramm der Firma Bayer, wenig später ganze Tanz- und Musikfestivals in Nordrhein-Westfalen. 1987 übernimmt sie dann die Leitung des Konzert- und Ballettreferats der Salzburger Festspiele und arbeitet unter anderem unter Herbert von Karajan, erlebt seine letzte Probe vor seinem Tod. „Das war jemand – wie auch John Neumeier – der einen Raum betritt, und man fühlt genau: Er ist da!“ erinnert sie sich. Seit 1991, also fast ein viertel Jahrhundert schon, ist sie beim Hamburger Ballett.

Ihr Büro befindet sich in Hamm im Ballettzentrum, einem der letzten Gebäude, das Fritz Schumacher gestaltet hat. Sie führt mich durch einige der neun hellen Ballettsäle, einer davon genauso groß wie die Bühne in der Staatsoper.

Neben Trainings- und Büroräumen gibt es auch eine Internatsetage, wo 35 Schüler und Schülerinnen aus vielen verschiedenen Nationen ihr Zuhause haben.

Ob man es Multikulti nennen will oder nicht, Integration funktioniert hier reibungslos. Die Verkehrssprache ist Englisch, oder: einfach zeigen, wie es geht.

Der erstaunlichste Raum jedoch ist das Schuhlager, rund zwölf Quadratmeter bebaut mit fast deckenhohen Regalen, klimatisiert und vollgestopft mit blassrosa Ballettschuhen, zwei Fächer voller handgemachter Spezialanfertigungen für jedes Mitglied der Kompanie.

„Die Hauptrolle in Dornröschen, die Aurora, vertanzt an einem Abend drei Paar Schuhe, in jedem Akt ein Paar“, erklärt Ulrike Schmidt. Zweimal muss ich nachfragen, bis ich das glaube. „Das ist ein teurer Spaß“, bestätigt sie. „Manche Kompanien setzen Limits für die Schuhe, das machen wir nicht. Wir finanzieren das. Die Füße sind das Kapital der Tänzer, das Wichtigste, was sie haben.“

Bei einem guten Schuhmacher kann es vierzehn Monate dauern, bis die Schuhe fertig sind. „Und dann verändern sich manchmal die Füße, und wir haben die Schuhe über. Die bekommen dann die Schülerinnen.“

Hat sie selbst mal getanzt? „Ich habe im Alter von drei Jahren mit dem Balletttraining angefangen, aber ich wollte nie Tänzerin werden. Irgendwann habe ich aufgehört mit dem ernsthaften Training, weil ich die Zeit nicht mehr hatte.“ Mit blutendem Herzen? „Nein, nein! In meinem Job muss man nicht selbst getanzt haben, aber ich finde es hilft, um viele Dinge zu verstehen und nachzuvollzie- hen.“ Zum Beispiel, dass die Karriere sehr früh endet, weil die körperlichen Ansprüche so hoch sind.

„Tänzer, die aufhören, manchmal auch ganz plötzlich durch Verletzungen, können sich oft gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen“, weiß Ulrike Schmidt. Deshalb ist sie Mitbegründerin und Vorstandsmitglied der Stiftung TANZ (Transition Zentrum Deutschland), die Tänzer berät, um herauszufinden, wo ihre Möglichkeiten und Interessen liegen. „Wo kann ich mich so sehr engagieren wie im Tanz? Das gilt es herauszufinden.“ Und sie, was treibt sie an, möchte ich wissen. „Die Neugierde. Und die Beziehung zu Menschen. Ich muss mich mit einer Sache identifizieren können, dann begeistere ich mich.“

Wir sind wieder vor ihrem Büro angekommen, wo eine große rote Transportkiste mit Jahrbüchern, Programmheften und Gastgeschenken auf die nächste Reise wartet. Wenn vor Ort nicht vorhanden, wird sogar der Schwingboden für die Bühne plattenweise eingepackt.

„Die Ballette, die auf Tour gehen, können wir längere Zeit hier nicht spielen, weil die Ausstattung unterwegs ist.
Wenn ich etwas disponiere und die nötige Zeitspanne nicht einhalte, ist das tödlich – für den Spielplan jedenfalls. Dann schaffen wir das nicht.“ Bisher hat sie es immer geschafft, und das wird sicher auch so bleiben.

Alles hier ist schief und krumm, die Sonnenschirme aus geflochtenem Bast und die orange-gestreiften Stehlampen. Vor der Photobox hängt ein zerrissener Jutesack, die Bambusmatten auf dem Dach der Bar hat der Wind durcheinander geweht. Der Bildschirm ihres Handys ist zersplittert. „Das macht nix“, stellt Claudia Hauswedell-Glaser gelassen fest, während sie an einem der robusten Holztische im Beachclub Strandpauli ihre pinkfarbene Lesebrille aufsetzt, um nach einer Telefonnummer zu suchen.

Sie ist die Chefin von 140 Leuten, die den gekonnt schäbig-schräg eingerichteten Laden jede Saison wieder zum Brummen bringen. Gemeinsam mit ihrem Bruder und einem dritten Gesellschafter hat sie den Beachclub 2004 gegründet. Da waren ihre Zwillinge, zwei Mädchen, noch nicht einmal zwei und die ältere Tochter sieben Jahre alt.

„Fragen Sie mich nicht, wieso ich dazu kam, obwohl die Zwillinge da waren. Es sollte eigentlich nur ein Hobby-Projekt sein, das wir neben unseren Berufen betreiben wollten.“

Dafür sieht es jetzt ziemlich professionell aus, finde ich. „Wenn ich nur einmal in meinem Hinterkopf gehabt hätte, was dieses Projekt mit sich bringt, dann hätte ich gesagt: Ey, das kann jeder andere machen, aber ich nicht! Ich wollte eigentlich nur die Gastgeberin sein.“

Wir sitzen an einem der abgeschabten Holztische auf eher unbequemen Stühlen und beobachten, wie ein Mitarbeiter einen halben ausgeschlachteten Mercedes hingebungsvoll mit goldener Farbe besprüht.

An die zweitausend Menschen, die an einem sonnigen Wochenende auf breiten Polstern oder in Strandsesseln den Blick auf Kreuzfahrt- und Containerschiffe genießen, können froh sein, dass Claudia Hauswedell-Glaser erst handelt und dann denkt: „Ich glaube, nichts von dem, was ich in meinem Leben gemacht habe, hätte ich angefangen, wenn ich in Ruhe darüber nachgedacht hätte. Dann hätte ich Respekt vor der Sache bekommen und gedacht: Das kann ich nicht, das schaffe ich nicht.“

Spontan handelt sie, immer aus dem Bauch heraus und im Zustand der Euphorie. „Meine spinnerten Ideen, die hab ich bestimmt von meiner Mutter, die war auf liebenswürdige Weise verrückt.“

Eine ihrer „spinnerten Ideen“ hat Claudias Mutter, Erika Riemann, teuer bezahlt.

1945. Erika Riemann ist 14 Jahre alt. Das Hitlerbild in ihrer Schule im thüringischen Mühlhausen wurde durch ein Stalin-Porträt ersetzt. Erika nimmt einen Stift und verziert Stalins Schnauzbart mit einer Schleife. Für diesen kindlichen Streich steckt man sie in Lager und Zuchthäuser, u.a. ins ehemalige KZ Sachsenhausen. Als sie 1954 entlassen wird, ist sie 23 und hat keine Jugend gehabt.

„Meiner Mutter fehlte so viel. Wenn ich in der Pubertät war, war sie mit in der Pubertät. Sie hat nicht gemerkt, dass sie gestört hat. Sie wollte dabei sein, weil sie das alles nicht hatte.“

Hat sie mit der Mutter über die Erfahrungen in der Haft gesprochen, frage ich. „Nein. Als Kind möchte man nicht wissen, was für schlimme Sachen die Mutter erlebt hat. Ich hatte auch Angst, dass ich noch Schlimmeres hören würde, als ich später erfahren habe. Eigentlich wollte niemand mit ihr über diese Zeit reden.“
Deshalb hat Erika Riemann ein Buch geschrieben: „Die Schleife an Stalins Bart“. Es wurde 2004 ein Bestseller.

Claudia wollte es zunächst nicht lesen. Warum nicht? Sie kann es nicht genau erklären. Erst ein Jahr nach dem Erscheinen traut sie sich. „Da habe ich mir gesagt, ich muss es jetzt lesen, denn ich wurde permanent darauf angesprochen. Ich war unglaublich gerührt und angetan. Ich hatte immer die Befürchtung zu lesen, dass sie vergewaltigt wurde, aber das ist nicht passiert. Erstaunlicherweise.“

Die Bedienung bringt Tee und Claudia Hauswedell-Glaser blickt leicht konsterniert auf den Teebeutel im Papiertäschchen. „Wo ist denn der extra ausgesuchte gute Tee in den Stoffsäckchen?“ fragt sie freundlich aber stirnrunzelnd und erteilt dann eine kleine Teekunde-Lektion. Darin kennt sie sich aus. Ihr Vater war gelernter Teekaufmann, später wurde er Anwalt. Kopfschüttelnd nimmt sie zur Kenntnis, dass ich auf die künstlichen Aromen des 08/15-Tees hereinfalle, weil ich ihn (mit schlechtem Gewissen natürlich) bevorzuge.

In der Hamburger Praxis ihres Vaters hat Claudia eine Lehre zur Anwaltsgehilfin absolviert, bevor sie Betriebswirtschaft studierte, Schwerpunkte Marketing und Personalwesen. Sie ist eine waschechte Hamburgerin: 1961 hier geboren, später fünf Jahre in Wuppertal und nach dem Abi sofort wieder zurück in die Hansestadt.
Hierarchie wird im Strandpauli kleingeschrieben. Natürlich nennen sich alle hier beim Vornamen. Wenn Not am Mann ist, stehen auch die Barleute – oder Claudia selbst, und zwar gerne – einen halben Tag lang an der Spüle oder in der Küche.

„Wir haben zwischendurch mit Profis gearbeitet, die an klare Rangordnung gewohnt waren. Mit denen konnte Strandpauli nichts anfangen.“ Ein guter Koch gab, wie er es aus seinen Sterne-Küchen gewohnt war, klare Anweisungen von oben herab. „Er ist hier so aufgelaufen, da machte niemand etwas. Und er wusste nicht, wie er reagieren sollte.“

Dabei ist sie selbst durchaus nicht zimperlich, wenn es um klare Ansagen geht. Aber immer auf Augenhöhe. Auch etwas, das sie von früher kennt: den offenen Umgang mit Menschen unterschiedlicher Couleur. Der Tankwart, der Briefträger oder auch mal James Last – sie alle waren gleichermaßen gern gesehene Gäste bei ihrer Mutter Erika Riemann.

„Achtung, da kommt Muddi!“ warnen sich die Strandpauli-Mitarbeiter manchmal gegenseitig. Denn „Muddi“ kann auch böse werden. „Ich bin sehr impulsiv. Wenn mir etwas gegen den Strich läuft, dann lasse ich das direkt ‘raus, danach ist es sofort wieder weg. Deshalb trage ich nicht viel Langzeitstress mit mir. Ich entschuldige mich auch, wenn es ungerecht war. Da schäme ich mich nicht.“

„Das tut sie, auch wenn’s nicht immer leicht fällt!“ bestätigt ihr Mann, Uli Glaser, Schmuckdesigner mit einem Atelier im Industrie-Loft-Stil in Bahrenfeld, dessen Gestaltung im wesentlichen Claudia übernommen hat. Sie gestaltet mit Begeisterung. Eigentlich wollte sie mal Innenarchitektin werden.
„Aber das Geschäft mit den Zahlen habe ich nun mal gelernt. Und deshalb haut mir jeder seine Zahlen auf den Tisch und sagt: Mach mal!“ Und so ist sie auch die Betriebswirtin des Schmuck-Ateliers.

Uli und Claudia – eine Teenager-Liebe, er aus dem Osten, sie aus dem Westen. 1978 beide auf Urlaub in Ungarn. Es folgen acht Jahre konspirativer Liebe unter den Augen der Stasi. „Meine Mutter ist tausend Tode gestorben, wenn ich wieder ‘rübergefahren bin, unter Decknamen, mit Ablenkungsmanövern.“ Eine Weile geht es gut. Dann wird sie, 18 Jahre alt, in Ostberlin festgenommen und stundenlang verhört; Uli, 20, gerade beim Militär, wird unehrenhaft entlassen und für ein halbes Jahr strafversetzt in den Bergbau. Bis er da raus ist, hört Claudia nichts von ihm.

Ganz überraschend wird am 24. Dezember 1986 die Ehe genehmigt, wenige Tage später ist sie verheiratet. „Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich davon erzähle.“

Ihr Leben, eine Abfolge von Hauruck-Aktionen. Kürzlich haben sie das über 100 Jahre alte Juweliergeschäft der Familie Glaser in Erfurt in ein modernes Schmuck-Studio verwandelt. Wieder ohne lange Planung? „Das Hü und Hott reichte mir. Ich habe einfach in der Nacht die Spitzhacke genommen und eine Wand durchbrochen.“ Und damit war klar, wo es lang ging! „Ich überrolle viele Menschen, das weiß ich, Uli hatte keine Chance. Meine spontanen Aktionen sind eine anstrengende Geschichte. Für den einen ist das positiv, für den anderen unheimlicher Stress.“

Auch in der Strandpauli-Küche haben sie gestern mal eben eine Wand eingerissen. „Die Claudia weiß genau, was sie will und bringt das mit Humor rüber“, erklärt mir die neue Küchen-Chefin, die schon nach zehn Tagen ahnt, wo im Strandpauli der Hammer hängt: „Das klingt dann locker, aber es gibt keinen Widerspruch.“
Und trotzdem, Claudia Hauswedell-Glaser ist bei ihren Leuten echt beliebt, das spüre ich bei jedem Mitarbeiter, der uns begegnet. Wenn das Familiengeschäft in Erfurt endgültig auf Zack gebracht ist und Strandpauli im Sommer brummt, dann sucht sie sich bestimmt wieder ein neues Projekt – und eine Spitzhacke.

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